Schule

In Sachsen sind alle Schüler – unabhängig von Art und Schwere ihrer Behinderung sowie von Art und Ausprägung des sonderpädagogischen Förderbedarfs – in die schulische Erziehung, Bildung und Ausbildung einbezogen.

Förderschulen

In Sachsen gibt es eine Vielfalt von Lern- und Förderorten sowie -formen.

Kinder und Jugendliche mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf, die nicht inklusiv an anderen allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden können oder wollen, , unter bestimmten Voraussetzungen auch Kinder und Jugendliche ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, können an Förderschulen lernen.  [...]

Eine Form der sonderpädagogischen Förderung in Sachsen ist die Unterrichtung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Förderschule.

Förderschulen und Förderzentren stellen anderen Schulen ihre sonderpädagogische Kompetenz in Form von Beratungs- und Diagnostikkompetenz sowie für die inklusive Unterrichtung zur Verfügung. Unterstützungssysteme in den Bereichen Beratung, Prävention, Kooperation sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken die sonderpädagogische Förderung darüber hinaus.

Die Entscheidung über den optimalen Lern- und Förderort ist für jeden Schüler individuell zu treffen. Einerseits findet der Wunsch der Eltern Berücksichtigung. Zum anderen ist es Ziel, dass der Einzelne den ihm höchstmöglichen Schulabschluss, die größtmögliche Selbstständigkeit und Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben erreicht.

Der Einzelfall zählt

Die inklusive Unterrichtung spielt eine besondere Rolle. Nicht behinderte und behinderte Kinder können gemeinsam lernen, wenn an der Schule die erforderliche besondere Förderung gewährleistet ist. Die Frage nach dem richtigen Lernort lässt sich nur im Einzelfall beantworten und hängt vor allem davon ab, welcher persönliche sonderpädagogische Förderbedarf bei der Schülerin oder dem Schülervorliegt. Dabei gilt der Grundsatz, so viel gemeinsamen Unterricht wie möglich und so viel sonderpädagogische Förderung wie notwendig anzubieten.  [...]

Organisatorische, personelle und sächliche Voraussetzungen sind ebenso Grundlage dieser sensiblen Entscheidung, wie die Funktionsfähigkeit des Unterrichts und die erforderliche ausgewogene Klassenbildung.

Schwerpunktmäßig wird die lernzielgleiche Unterrichtung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Sehen sowie emotionale und soziale Entwicklung sowie auch im Förderschwerpunkt Sprache realisiert. Bei lernzielgleicher inklusiver Unterrichtung werden alle Schüler nach den gleichen Lehrplänen oder Rahmenrichtlinien unterrichtet.

Lernzieldifferente Unterrichtung

Die lernzieldifferente Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung wird bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten an Grundschulen praktiziert. Die lernzieldifferente Unterrichtung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung in der Sekundarstufe – in Oberschulen und Abendoberschulen – wurde in Sachsen mit grundsätzlichem Inkrafttreten des „Gesetzes zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Freistaat Sachsen“ am 01.08.2018 möglich.  [...]

Um das Recht junger Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf Bildung und Erziehung weiterhin auf dem anerkannt hohen Niveau zu sichern, ist die allgemeinbildende Förderschule für den Freistaat Sachsen auch künftig unverzichtbar.

Verschiedene Schultypen

In acht verschiedenen Förderschultypen werden die Schüler auf ein selbstständiges Leben in der Gemeinschaft vorbereitet. Dabei wird versucht, die (Wieder-)Eingliederung in andere allgemeinbildende Schulen zu ermöglichen. Sonderpädagogisch ausgebildete Lehrer, eine spezielle Ausstattung der Schulen sowie die Klassenstärken richten sich nach den Bedürfnissen und individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder und Jugendlichen.  [...] Förderschultypen im Bereich der Förderschulen ergeben sich aus den Förderschwerpunkten nach § 4 c Absatz 2 SächsSchulG:

  • Sehen
  • Hören
  • geistige Entwicklung
  • körperliche und motorische Entwicklung
  • Lernen
  • Sprache sowie
  • emotionale und soziale Entwicklung.

Ferner existieren Klinik- und Krankenhausschulen für den Unterricht kranker Schüler.

Es gibt Förderschulen, die mit einer Heimunterbringung verbunden sind, wenn sonst die Erfüllung der Schulpflicht nicht gewährleistet werden kann. Die Unterbringung in einer Förderschule mit Heim bedarf der Zustimmung der Eltern. An den meisten Förderschulen sind Beratungsstellen eingerichtet, die von Eltern, Lehrern und Schülern in Anspruch genommen werden können.

An den Förderschulen können die Abschlüsse der übrigen Schularten erworben werden. An Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen kann auch ein dem Hauptschulabschluss gleichgestellter Abschluss erworben werden.

Eigenständiger Bildungsgang

Für die Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen und die Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung gibt es einen eigenständigen Bildungsgang mit einem jeweils entsprechenden Lehrplan.  [...]

An den sächsischen Schulen, die Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung unterrichten, ist zum Schuljahr 2017/2018 ein neuer Lehrplan in Kraft getreten. Wesentliches Ziel des Lehrplans ist es, diese jungen Menschen noch besser auf gesellschaftliche und berufliche Teilhabe vorzubereiten. Der Bereich „Arbeit und Beruf“ wurde gegenüber dem bisherigen Lehrplan aus dem Jahre 1998 deutlich gestärkt. Der neue Lehrplan entspricht damit nun auch dem Lehrplanmodell, welches den Lehrplänen aller anderen Schularten zu Grunde liegt.

Die Einführung des neuen Lehrplans wird durch eine flächendeckend angelegte Fortbildung wirksam unterstützt. Zusätzlich zu der bereits initiierten schulinternen Fortbildung werden ab dem Schuljahr 2018/2019 in allen Standorten des Landesamtes für Schule und Bildung bedarfsorientierte regionale Fortbildungen angeboten. Sie stehen Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften offen und sollen einen wesentlichen Beitrag leisten, dass die im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung tätigen Pädagogen ihre anspruchsvolle Aufgabe mit hoher Fach- und Sachkenntnis, viel Geduld und Kreativität zum Erfolg zu führen können.

Der neue Lehrplan ist auch online verfügbar:

Seit dem Schuljahr 2009/2010 können die Schüler auch an den Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen und an den Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung einen eigenen Schulabschluss erwerben.

An der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen kann ein dem Hauptschulabschluss gleichgestellter Abschluss ohne Teilnahme an einer Abschlussprüfung erworben werden.

Die anderen Förderschultypen orientieren sich in ihren Bildungsgängen mit ihrem Bildungsangebot an den Lehrplänen der anderen allgemeinbildenden Schulen (Grundschule, Oberschule und Gymnasium).

Sonderpädagogischer Förderbedarf

Die Feststellung, ob bei einem Schüler oder einer Schülerin sonderpädagogischer Förderbedarf besteht, erfolgt im Rahmen eines Verfahrens, das durch das Landesamt für Schule und Bildung eingeleitet wird.

Für die Umsetzung dieses Verfahrens wird von der Schulaufsichtsbehörde im Benehmen mit dem Schulleiter ein Mobiler sonderpädagogischer Dienst eingerichtet. Vor Beantragung des Verfahrens können die Schule oder die Eltern eine Beratung durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst beantragen.

Die Standorte des Landesamtes für Schule und Bildung treffen Aussagen, in welchem Förderschwerpunkt sonderpädagogischer Förderbedarf bei der Schülerin bzw. dem Schüler besteht und entscheiden auf der Grundlage eines förderpädagogischen Gutachtens und unter Berücksichtigung des Elternwunsches über das sonderpädagogische Förderangebot und den schulischen Lernort.

Keine zugeordnete Elektronische Antragsstellung vorhanden.

Freigabevermerk

Sächsisches Staatsministerium für Kultus. 20.11.2018