Adoption eines Stiefkindes beantragen

Wenn Ihr Ehe- oder eingetragener Lebenspartner bereits ein Kind aus einer vorherigen Beziehung hat, für das Sie alle Rechten und Pflichten übernehmen wollen, können Sie eine Stiefkindadoption beantragen.

Für die Adoption Ihres Stiefkindes sollten Sie Folgendes beachten:

  • Die Annahme muss dem Kindeswohl dienen. Die Situation, in der sich das Kind befindet, muss sich durch die angestrebte Adoption dauerhaft verbessern.
  • Es muss zu erwarten sein, dass zwischen dem Kind und dem Stiefelternteil eine Eltern-Kind-Beziehung entsteht.
  • Eine Probezeit ist zu berücksichtigen. In der Regel bedarf die Entwicklung tragfähiger Beziehungen in Stieffamilien eines längeren Zeitraumes, der mehrere Jahre dauern kann.
  • Beide Elternteile des Kindes müssen der Adoption zustimmen (sollte der abgebende Elternteil nicht zustimmen, kann in besonderen Fällen die Einwilligung auch durch ein Gericht ersetzt werden).
  • Bei Kindern ab 14 Jahren, muss das Kind selbst einwilligen und sein gesetzlicher Vertreter zustimmen. Bei Kindern unter 14 Jahren muss nur der gesetzliche Vertreter die Einwilligung erteilen.
  • Wenn es noch weitere Kinder in der Familie gibt, sind auch deren Interessen zu berücksichtigen.

Mit der Adoption erlöschen das Verwandtschaftsverhältnis des Kindes zu den bisherigen Verwandten des abgebenden Elternteils und die sich daraus ergebenden Rechte und Pflichten. Ansprüche, die bis zur Adoption entstanden sind, zum Beispiel auf Waisenrente oder andere wiederkehrende Leistungen werden nicht berührt. Das Kind erhält die rechtliche Stellung eines gemeinsamen Kindes der Ehegatten.

Für diese Art der Adoption gibt es im Verfahren keine Sonderregelungen. Die Adoptionsvoraussetzungen und die Adoptionseignung werden mit der gleichen Sorgfalt wie bei Fremdadoptionen geprüft.

Hinweis: Adoptionswünsche von Stiefeltern bedürfen eines umfassenden Beratungsprozesses, weshalb wir Ihnen empfehlen, eine Beratung der Adoptionsvermittlungsstelle in Anspruch zu nehmen.

Onlineantrag und Formulare

Hinweis: Sobald Sie eine Postleitzahl oder einen Ort angegeben haben, können wir Ihnen an dieser Stelle den Onlineantrag und die Formulare der zuständigen Stelle anzeigen. Ort angeben

Zuständige Stelle

Jugendamt der Stadtverwaltung oder des Landratsamtes

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Leistungsdetails

Voraussetzungen

  • die Adoption dient dem Kindeswohl
  • es besteht bereits ein Eltern-Kind-Verhältnis oder es ist zu erwarten, dass ein solches entsteht
  • Interessen von leiblichen Kindern stehen der Adoption nicht entgegen
  • Sie oder Ihr Ehegatte bzw. Lebenspartner sind mindestens 25 Jahre, der andere mindestens 21 Jahre alt.
  • die Einwilligung des abgebenden leiblichen Elternteils liegt vor
  • bei Kindern über 14 Jahren müssen die Einwilligung des Kindes und die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters vorliegen
  • bei Kindern unter 14 Jahren muss die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters vorliegen
  • bei der Adoption eines Kindes des Ehegatten ist die Einwilligung des Ehegatten erforderlich
  • die Einwilligung des abgebenden Elternteils bzw. die Ersetzung dieser Einwilligung durch das Familiengericht.

Verfahrensablauf

Vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei der Adoptionsvermittlungsstelle. Dort legt man Ihnen dar, unter welchen Bedingungen eine Stiefkindadoption möglich ist.

  • Die Ehegatten werden in (Einzel-) Gesprächen zu ihrem Anliegen beraten und die Adoptionsvoraussetzungen und die Adoptionseignung geprüft. Auch das zu adoptierende Kind wird befragt.
  • Der abgebende leibliche Elternteil des Kindes wird bezüglich der rechtlichen Konsequenzen einer Adoption aufgeklärt. Willigt dieser Elternteil in die Adoption ein, so muss seine Einwilligung notariell beurkundet werden.
  • Der Stiefelternteil stellt einen notariell beurkundeten Adoptionsantrag
  • Der leibliche Elternteil willigt in Form einer notariell beurkundeten Einwilligungserklärung als Elternteil und als Ehegatte in die Adoption durch seinen Ehegatten ein.
  • Das Familiengericht prüft alle Unterlagen und beteiligt die Adoptionsvermittlungsstelle, die dem Gericht eine fachliche Äußerung zuleitet. Das Gericht entscheidet durch Beschluss über Ihren Adoptionsantrag.
Fand eine Stiefkindadoption statt, so besitzen Sie als Adoptivvater / -mutter alle Rechte und Pflichten gegenüber dem adoptierten Kind. Das bedeutet auch, dass Sie im Fall einer Trennung Unterhalt zahlen müssen, ein Umgangsrecht sowie eine Umgangspflicht gegenüber dem Kind besitzen und das Kind das gleiche Erbrecht hat wie ein leibliches Kind.

Erforderliche Unterlagen

  • notariell beurkundeter Adoptionsantrag
  • notariell beurkundete Einwilligungserklärung des abgebenden leiblichen Elternteils
  • notariell beurkundeten Einwilligungserklärung des Ehegatten als Elternteil und als Ehegatte
  • notariell beurkundete Einwilligungserklärung des über 14-jährigen Kindes mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters beziehungsweise notariell beurkundete Einwilligungserklärung des gesetzlichen Vertreters zum Adoptionsantrag für ein unter 14-jähriges Kind
  • notariell beurkundete Einwilligungserklärungen der leiblichen Eltern und notariell beurkundeter Antrag des Annehmenden
  • Geburtsurkunden des Annehmenden und des Kindes
  • Eheurkunde / Lebenspartnerschaftsurkunde des Annehmenden und des leiblichen Elternteils (gegebenenfalls frühere Scheidungsurteile)
  • Gesundheitszeugnis des Annehmenden
  • polizeiliches Führungszeugnis des Annehmenden
  • Nachweise über Verdienst, Vermögen, Schulden
  • Identitätsnachweis
  • Meldebescheinigung

Kosten (Gebühren)

  • Gebühren für die notarielle Beurkundung des Adoptionsantrags und der Einwilligungserklärungen
  • Auslagen für die Ausstellung der sonstigen erforderlichen Unterlagen

Bearbeitungsdauer

nicht festgelegt

Da die Eignungsüberprüfung ein umfassender Prozess ist, gibt es keine Frist, in der die Adoptionsvermittlungsstelle über Ihre Eignung entschieden haben muss.

Hinweise (Besonderheiten)

  • Das Familiengericht kann auf Antrag die fehlende Einwilligung des leiblichen Elternteils ersetzen, wenn dieser seine Pflichten gegenüber dem Kind anhaltend gröblich verletzt hat oder durch sein Verhalten gezeigt hat, dass ihm das Kind gleichgültig ist und wenn das Unterbleiben der Adoption für das Kind einen "unverhältnismäßigen Nachteil" bedeuten würde.
  • Wegen Gleichgültigkeit, die nicht zugleich eine anhaltende gröbliche Pflichtverletzung ist, darf die Einwilligung nicht ersetzt werden, bevor der Elternteil vom Jugendamt über die Möglichkeit der Ersetzung der Einwilligung belehrt und beraten worden ist und seit der Belehrung wenigstens drei Monate verstrichen sind.

Rechtsgrundlage

  • § 1741 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) – Zulässigkeit der Annahme
  • § 1743 BGB – Mindestalter
  • § 1744 BGB – Probezeit
  • § 1755 BGB – Verbot der Annahme
  • § 1746 BGB – Einwilligung des Kindes
  • § 1747 BGB – Einwilligung der Eltern des Kindes
  • § 1748 BGB – Ersetzung der Einwilligung eines Elternteils
  • § 1749 – Einwilligung des Ehegatten
  • § 1750 BGB – Einwilligungserklärung
  • § 1751 – Wirkung der elterlichen Einwilligung, Verpflichtung zum Unterhalt
  • § 1752 BGB – Beschluss des Familiengerichts, Antrag
  • § 1754 BGB – Wirkung der Annahme
  • § 1755 BGB – Erlöschen von Verwandtschaftsverhältnissen

Freigabevermerk

Sächsisches Staatsministerium der Justiz. 26.02.2019