Adoption eines Stiefkindes beantragen

Wenn Ihr Ehe- oder eingetragener Lebenspartner bereits ein Kind aus einer vorherigen Beziehung hat, für das Sie alle Rechten und Pflichten übernehmen wollen, können Sie eine Stiefkindadoption beantragen.

Mit der Adoption erlöschen das Verwandtschaftsverhältnis des Kindes zu den bisherigen Verwandten des abgebenden Elternteils und die sich daraus ergebenden Rechte und Pflichten. Ansprüche, die bis zur Adoption entstanden sind, zum Beispiel auf Waisenrente oder andere wiederkehrende Leistungen werden nicht berührt. Das Kind erhält die rechtliche Stellung eines gemeinsamen Kindes der Ehegatten bzw. Lebenspartner.

Für diese Art der Adoption gibt es im Verfahren keine Sonderregelungen. Die Adoptionsvoraussetzungen und die Adoptionseignung werden mit der gleichen Sorgfalt wie bei Fremdadoptionen geprüft.

Hinweis: Adoptionswünsche von Stiefeltern bedürfen eines umfassenden Beratungsprozesses, weshalb wir Ihnen empfehlen, eine Beratung der Adoptionsvermittlungsstelle in Anspruch zu nehmen.

Onlineantrag und Formulare

Hinweis: Sobald Sie eine Postleitzahl oder einen Ort angegeben haben, können wir Ihnen an dieser Stelle den Onlineantrag und die Formulare der zuständigen Stelle anzeigen. Ort angeben

Zuständige Stelle

Adoptionsvermittlungsstellen bei den Jugendämtern im Freistaat Sachsen

Hinweis: Sobald Sie eine Postleitzahl oder einen Ort angegeben haben, können wir Ihnen an dieser Stelle weitere Informationen zu der für Sie zuständigen Stelle anzeigen. Ort angeben
Warum soll ich einen Ort angeben?
Mit Hilfe der Ortsangabe können wir die für Sie passenden Informationen, Formulare, Dienste und Ihre zuständige Stelle anzeigen.
Welchen Ort soll ich angeben?
Zum Beispiel Ihren Wohnort, wenn Sie einen Reisepass beantragen wollen oder den Unternehmensstandort, wenn Sie ein Gewerbe anmelden möchten.

Leistungsdetails

Voraussetzungen

  • Die Annahme muss dem Kindeswohl dienen. Die Situation, in der sich das Kind befindet, muss sich durch die angestrebte Adoption dauerhaft verbessern.
  • Zwischen dem Kind und dem Stiefelternteilbesteht bereits ein Eltern-Kind-Verhältnis oder es ist zu erwarten, dass ein solches entsteht.
  • Die Interessen von leiblichen Kindern des Stiefelternteils stehen der Adoption nicht entgegen.
  • Eine angemessene Probezeit ist zu berücksichtigen. In der Regel bedarf die Entwicklung tragfähiger Beziehungen in Stieffamilien eines längeren Zeitraumes, der mehrere Jahre dauern kann.
  • Sie oder Ihr Ehegatte bzw. Lebenspartner sind mindestens 25 Jahre, der andere mindestens 21 Jahre alt.
  • Beide Elternteile des Kindes müssen der Adoption zustimmen. Sollte der abgebende Elternteil nicht zustimmen, kann in besonderen Fällen die Einwilligung auch durch das Familiengericht ersetzt werden.
  • Bei Kindern über 14 Jahren müssen die Einwilligung des Kindes und die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters vorliegen muss das Kind selbst in die Adoption einwilligen und sein gesetzlicher Vertreter zustimmen. Bei Kindern unter 14 Jahren muss nur der gesetzliche Vertreter die Einwilligung erteilen.
  • Die Einwilligung des Ehegatten in die Adoption erforderlich.

Verfahrensablauf

Vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei der Adoptionsvermittlungsstelle. Dort legt man Ihnen dar, unter welchen Bedingungen eine Stiefkindadoption möglich ist.

  • Die Ehegatten werden in (Einzel-) Gesprächen zu ihrem Anliegen beraten und die Adoptionsvoraussetzungen und die Adoptionseignung geprüft. Auch das zu adoptierende Kind wird befragt.
  • Der abgebende leibliche Elternteil des Kindes wird bezüglich der rechtlichen Konsequenzen einer Adoption aufgeklärt. Willigt dieser Elternteil in die Adoption ein, so muss seine Einwilligung notariell beurkundet werden.
  • Der Stiefelternteil stellt einen notariell beurkundeten Adoptionsantrag.
  • Der leibliche Elternteil willigt in Form einer notariell beurkundeten Einwilligungserklärung als Elternteil und als Ehegatte in die Adoption durch seinen Ehegatten ein.
  • Das Familiengericht prüft alle Unterlagen und beteiligt die Adoptionsvermittlungsstelle, die dem Gericht eine fachliche Äußerung zuleitet. Das Gericht entscheidet durch Beschluss über Ihren Adoptionsantrag.
Fand eine Stiefkindadoption statt, so besitzen Sie als Adoptivvater / -mutter alle Rechte und Pflichten gegenüber dem adoptierten Kind. Das bedeutet auch, dass Sie im Fall einer Trennung Unterhalt zahlen müssen, ein Umgangsrecht sowie eine Umgangspflicht gegenüber dem Kind besitzen und das Kind das gleiche Erbrecht hat wie ein leibliches Kind.

Erforderliche Unterlagen

  • notariell beurkundeter Adoptionsantrag
  • notariell beurkundete Einwilligungserklärung des abgebenden leiblichen Elternteils
  • notariell beurkundete Einwilligungserklärung des Ehegatten als Elternteil und als Ehegatte
  • notariell beurkundete Einwilligungserklärung des über 14-jährigen Kindes mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters beziehungsweise notariell beurkundete Einwilligungserklärung des gesetzlichen Vertreters zum Adoptionsantrag für ein unter 14-jähriges Kind
  • Geburtsurkunden des Annehmenden und des Kindes
  • Eheurkunde / Lebenspartnerschaftsurkunde des Annehmenden und des leiblichen Elternteils (gegebenenfalls frühere Scheidungsurteile)
  • Gesundheitszeugnis des Annehmenden
  • polizeiliches Führungszeugnis des Annehmenden
  • Nachweise über Verdienst, Vermögen, Schulden
  • Identitätsnachweis (Personalausweis / Reisepass)
  • Meldebescheinigung

Kosten (Gebühren)

  • Gebühren für die notarielle Beurkundung des Adoptionsantrags und der Einwilligungserklärungen
  • Auslagen für die Ausstellung der sonstigen erforderlichen Unterlagen

Bearbeitungsdauer

  • nicht festgelegt
Da die Eignungsüberprüfung ein umfassender Prozess ist, gibt es keine Frist, in der die Adoptionsvermittlungsstelle über Ihre Eignung entschieden haben muss.

Hinweise (Besonderheiten)

  • Das Familiengericht kann auf Antrag die fehlende Einwilligung des leiblichen Elternteils ersetzen, wenn dieser seine Pflichten gegenüber dem Kind anhaltend gröblich verletzt hat oder durch sein Verhalten gezeigt hat, dass ihm das Kind gleichgültig ist und wenn das Unterbleiben der Adoption für das Kind einen "unverhältnismäßigen Nachteil" bedeuten würde.
  • Wegen Gleichgültigkeit, die nicht zugleich eine anhaltende gröbliche Pflichtverletzung ist, darf die Einwilligung nicht ersetzt werden, bevor der Elternteil vom Jugendamt über die Möglichkeit der Ersetzung der Einwilligung belehrt und beraten worden ist und seit der Belehrung wenigstens drei Monate verstrichen sind.

Rechtsgrundlage

  • § 1741 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) – Zulässigkeit der Annahme
  • § 1743 BGB – Mindestalter
  • § 1744 BGB – Probezeit
  • § 1755 BGB – Verbot der Annahme
  • § 1746 BGB – Einwilligung des Kindes
  • § 1747 BGB – Einwilligung der Eltern des Kindes
  • § 1748 BGB – Ersetzung der Einwilligung eines Elternteils
  • § 1749 BGB – Einwilligung des Ehegatten
  • § 1750 BGB – Einwilligungserklärung
  • § 1751 BGB – Wirkung der elterlichen Einwilligung, Verpflichtung zum Unterhalt
  • § 1752 BGB – Beschluss des Familiengerichts, Antrag
  • § 1754 BGB – Wirkung der Annahme
  • § 1755 BGB – Erlöschen von Verwandtschaftsverhältnissen
  • § 51 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII - Beratung und Belehrung in Verfahren zur Annahme als Kind

Freigabevermerk

Sächsisches Landesjugendamt. 11.09.2019