Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM), Lohnsteuer-Ermäßigung geltend machen

Grundsätzlich werden Aufwendungen, die Sie steuermindernd geltend machen können, nach Ablauf des Kalenderjahres im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung berücksichtigt.

Es ist aber möglich, im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren gegenüber dem Finanzamt bestimmte Ausgaben geltend zu machen und dafür einen Freibetrag zu beantragen. Wird ein Freibetrag als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal (ELStAM) gebildet, ermäßigt sich bereits im Laufe des Kalenderjahres die Lohnsteuer, die der Arbeitgeber von Ihrem Arbeitslohn einbehalten muss.

Pflicht zur Einkommensteuererklärung

Wurde für Sie ein Freibetrag als ELStAM gebildet, müssen Sie grundsätzlich nach Ablauf des Kalenderjahres beim Finanzamt unaufgefordert eine Einkommensteuererklärung einreichen. Soweit Sie nicht aus anderen Gründen zur Erklärungsabgabe verpflichtet sind, besteht die Steuererklärungspflicht wegen des Freibetrags nur, wenn Sie (bei Zusammenveranlagung: und Ihr Ehepartner / Lebenspartner) im Kalenderjahr insgesamt einen Arbeitslohn erzielt haben, der bestimmte Betragsgrenzen übersteigt:

Einzelveranlagung

  • 2014: EUR 10.700
  • 2015: EUR 10.800
  • 2016: EUR 11.000
  • 2017: EUR 11.200
  • 2018: EUR 11.400
  • für 2019 voraussichtlich: EUR 11.600

Zusammenveranlagung

  • 2014: EUR 20.200
  • 2015: EUR 20.500
  • 2016: EUR 20.900
  • 2017: EUR 21.250
  • 2018: EUR 21.650
  • für 2019 voraussichtlich: EUR 22.050

Hat das Finanzamt lediglich den Pauschbetrag für behinderte Menschen und / oder den Pauschbetrag für Hinterbliebene berücksichtigt, besteht wegen des Freibetrags allein keine Steuererklärungspflicht (gegebenenfalls aber aufgrund anderer Umstände).

Der Freibetrag kommt beispielsweise in Betracht für:

  • Werbungskosten aus Arbeitnehmertätigkeit (soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von EUR 1.000 übersteigen)
  • Sonderausgaben
  • außergewöhnliche Belastungen
  • sonstige Steuerermäßigungsgründe

Werbungskosten aus Arbeitnehmertätigkeit

(soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von EUR 1.000 übersteigen)

Beispiele:

  • Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ("Pendlerpauschale")
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie Fachliteratur, Werkzeuge oder typische Berufsbekleidung

Sonderausgaben

(soweit sie den Sonderausgaben-Pauschbetrag von EUR 36,00 bei Ledigen und EUR 72,00 bei Zusammenveranlagung von Verheirateten und Lebenspartnern in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft übersteigen)

Beispiele:

  • Unterhaltsleistungen an den geschiedenen / dauernd getrennt lebenden Ehe- oder Lebenspartner
  • gezahlte Kirchensteuer (ausgenommen Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer)

Außergewöhnliche Belastungen

Beispiele:

  • Freibetrag für den Sonderbedarf bei Berufsausbildung eines volljährigen Kindes
  • Unterhaltsaufwendungen an gesetzlich unterhaltsberechtigte Personen
  • Pauschbetrag für behinderte Menschen
  • Pauschbetrag für Hinterbliebene

Sonstige Steuerermäßigungsgründe

Beispiele:

  • Erhöhungsbetrag beim Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  • negative Einkünfte aus Kapitalvermögen (die nicht unter das Verlustausgleichsverbot fallen)

Auch die Steuerermäßigung wegen Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen und Handwerkerleistungen können Sie bereits im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren beantragen.

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Zuständige Stelle

Finanzamt

Leistungsdetails

Voraussetzungen

Einen Freibetrag wegen außergewöhnlicher Belastungen, erhöhter Werbungskosten oder erhöhter Sonderausgaben können Sie nur dann als ELStAM bilden lassen, wenn diese Aufwendungen beziehungsweise die abziehbaren Beträge insgesamt eine Antragsgrenze von EUR 600,00 überschreiten.

Berechnung der Antragsgrenze

  • Werbungskosten zählen nur mit, soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von EUR 1.000 übersteigen
  • Versicherungsbeiträge (z. B. zu Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) gehören zwar auch zu den Sonderausgaben, können aber im Ermäßigungsverfahren nicht geltend gemacht werden. Diese Vorsorgeaufwendungen werden bereits beim laufenden Lohnsteuerabzug über die sogenannte Vorsorgepauschale berücksichtigt

Für die Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene gilt diese Antragsgrenze nicht.

Verfahrensablauf

Wenn sich Ihre Ausgaben schon im Laufe des Kalenderjahres beim Lohnsteuerabzug steuermindernd auswirken sollen, müssen Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung stellen.

Ein Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung kann für einen Zeitraum von längstens zwei Kalenderjahren gestellt werden.

Beantragung

  • verwenden Sie den Vordruck "Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung", den Sie beim Finanzamt und online auf Amt24 (Formulare & Online-Dienste) erhalten, mit der Angabe des Kalenderjahres für das Sie den Freibetrag beantragen
  • soll der Freibetrag auch im zweiten Kalenderjahr (Folgejahr) berücksichtigt werden, kreuzen Sie dies in der dafür vorgesehenen Zeile auf Seite 1 des Vordrucks an; ein gesonderter Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für das Folgejahr ist dann nicht erforderlich
  • reichen Sie den ausgefüllten Antrag persönlich oder schriftlich beim Finanzamt ein, bei persönlicher Vorsprache wird Ihr Antrag in der Regel unmittelbar geprüft

Bildung des Freibetrags

  • Das Finanzamt prüft, ob und in welcher Höhe ein Freibetrag gebildet werden kann.
  • Es speichert den Freibetrag als Lohnsteuerabzugsmerkmal in der ELStAM-Datenbank, damit dieser Ihrem Arbeitgeber mit zum elektronischen Abruf bereitgestellt werden kann. In bestimmten Fällen trägt es Ihnen den Freibetrag auf der Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug ein; legen Sie diese dann Ihrem Arbeitgeber vor.

Änderungsantrag / Änderungsanzeige

  • Sie können den Freibetrag anpassen lassen, wenn sich die für den Freibetrag maßgebenden Verhältnisse zu Ihren Gunsten ändern (zum Beispiel: Verlängerung des Weges zur ersten Tätigkeitsstätte und infolgedessen höhere Fahrtkosten als Werbungskosten)
  • ändern sich die für den Freibetrag maßgebenden Verhältnisse zu Ihren Ungunsten (zum Beispiel: Verkürzung des Weges zur ersten Tätigkeitsstätte und infolgedessen geringere Fahrtkosten als Werbungskosten) sind Sie verpflichtet, dies dem Finanzamt umgehend zu melden, damit der Freibetrag korrigiert werden kann.

Erforderliche Unterlagen

  • Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung (Formulare & Online-Dienste)
  • Belege (gegebenenfalls)

Fristen

Antrag auf Bildung eines Freibetrags

ab 01.10. des Vorjahres bis spätestens 30.11. des (ersten) Jahres, für das der Freibetrag gilt

Beispiele:

  • für 2018 oder 2018/2019 vom 01.10.2017 bis 30.11.2018
  • für 2019 oder 2019/2020 vom 01.10.2018 bis 30.11.2019
Hinweis: Nach diesem Zeitraum können Sie die Steuerermäßigungsgründe nur noch im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer (Einkommensteuererklärung) nach Ablauf des Kalenderjahres geltend machen.

Änderungsantrag / Änderungsanzeige

  • Änderungsantrag (zu Ihren Gunsten): bis zum 30.11. des Jahres, für das der geänderte Freibetrag berücksichtigt werden soll
  • Änderungsanzeige (zu Ihren Ungunsten): umgehend

Einkommensteuererklärung

Grundsätzlich müssen Sie die Einkommensteuererklärung eines Jahres jeweils

  • bis 31.05. des Folgejahres (Einkommensteuererklärung 2017) bzw.
  • bis 31.07. des Folgejahres (ab Einkommensteuererklärung 2018)

beim Finanzamt abgeben.

Rechtsgrundlage

  • § 2 Abs. 8 Einkommensteuergesetz (EStG) – eingetragene Lebenspartnerschaft
  • § 9 Einkommensteuergesetz (EStG) – Werbungskosten
  • § 9a Einkommensteuergesetz (EStG) – Pauschbeträge für Werbungskosten
  • § 10 Einkommensteuergesetz (EStG) – Sonderausgaben
  • § 24b Einkommensteuergesetz (EStG) – Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  • § 33 Einkommensteuergesetz (EStG) – Außergewöhnliche Belastungen
  • § 33a Einkommensteuergesetz (EStG) – Außergewöhnliche Belastungen in besonderen Fällen
  • § 33b Einkommensteuergesetz (EStG) – Pauschbeträge für behinderte Menschen, Hinterbliebene und Pflegepersonen
  • § 35a Einkommensteuergesetz (EStG) – Steuerermäßigung für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen
  • § 39 Einkommensteuergesetz (EStG) – Lohnsteuerabzugsmerkmale
  • § 39a Einkommensteuergesetz (EStG) – Freibetrag und Hinzurechnungsbetrag
  • § 39e Einkommensteuergesetz (EStG) – Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale

Freigabevermerk

Sächsisches Staatsministerium der Finanzen. 01.11.2018